Deutscher Neufundländer-Klub e. V.

Wie wir wurden,
was wir sind …​

Nachdem der Newfoundland Dog schon auf einem Gemälde aus dem Jahr 1655 erstmals abgebildet wurde und in den folgenden Jahrzehnten in England auch immer häufiger Rassebeschreibungen des Neufundländers veröffentlicht wurden, fand der schwarze oder weiß-schwarze Neufundländer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England und auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Freunde, darunter so prominente Persönlichkeiten wie James Cook, Charles Dickens, Lord Byron, Richard Wagner oder Johann Strauß.

Max Hartenstein

1886 wurde in England der Newfoundland Club gegründet – und im Jahr 1893 war es schließlich auch in Deutschland so weit: Am 10. Juni 1893 konstituierte sich, anlässlich der internationalen Ausstellung des ‚St. Bernhards-Klubs‘ in München, der ‚Neufundländer Club für den Continent‘.

Die Gründungsversammlung bestand aus 25 Mitgliedern und vor allem ein Gönner des neuen Clubs soll hier genannt werden, der Plauener Fabrikant Max Hartenstein (+1917). Hartenstein war zu seiner Zeit ein bekannter Züchter verschiedenster Rassen (Zwinger ‚Plavia‘) und von Anfang an auch Mitglied des englischen Newfoundland Clubs. Seine Zuchthunde besorgte er sich vor allem in England, aber auch direkt in Neufundland und bei Ausstellungen war er einer der ersten Richter für Neufundländer.

Bereits 1897 hatte der deutsche Neufundländer Club seine Mitgliederzahl verdreifacht und auf Ausstellungen in Braunschweig, Stuttgart, Berlin, München, Wien, Innsbruck oder Graz wurden nun die meist schwarzen Neufundländer dem beeindruckten Publikum vorgestellt.

Und auch bei der Zucht ging es voran: 17 Würfe im Jahr 1895, 19 Würfe im Jahr 1896, 41 Würfe im Jahr 1897 – und in den folgenden Jahren stieg die Anzahl der gefallenen Neufundländer-Welpen stetig auf ca. 300 – 400 Hunde pro Jahr und 1898 wurde schließlich das erste Stammbuch des ‚Neufundländer Clubs für den Continent‘ veröffentlicht.

Das Zuchtgeschehen von 1898 bis 1928 wird in den Stammbüchern I-V sehr gut dokumentiert [Eintragungen in Band I (1898): Stammbuch-Nummern 1-143; Band II (1902): Stammbuch-Nummern 144-583; Band III (1909): Stammbuch-Nummern 584-949, Nachtrag 950-1083; Band IV (1924): Stammbuch-Nummern 1084-2500, Band V (1927-1928): 2501-4500].

Ab dem Wurf 4501 ändert sich der Titel. Das Stammbuch erscheint jetzt als D-K-H Zuchtbuch, Abteilung Neufundländer. Band VI (1928-1936): Zuchtbuch-Nummern N.Z.B. 4501-7750. –

D-H-K steht für „Kartell“, dem Vorläufer des heutigen „Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH)“. Das „Kartell“ hat sich 1906 als Zusammenschluss verschiedener Rassehunde-Zuchtvereine gebildet. Es soll das Ausstellungswesen ordnen und der aufkommenden Geschäftemacherei entgegenwirken. Herr Büchner (Zuchtbuchführer) hat sich sofort um Aufnahme in diese Organisation bemüht. 1911 nimmt das „Kartell“ an der Gründungsversammlung der „Federation Cynologique Internationale (FCI)“ teil, die als weltweite Dachorganisation des Hundewesens konstituiert wird. So ist unser Klub von Anfang an kein „Blindgänger“, sondern gehört den wichtigen weltumfassenden Organisationen an.

Wichtige, den Klub betreffende Mitteilungen (Mitglieder, Züchter, Zuchtgeschehen, Ausstellungen, Prämierungen), werden viele Jahre in den „Stammbüchern“ bzw. „Zuchtbüchern“ veröffentlicht. Doch bereits 1909 erscheinen die „Monatlichen offiziellen Mitteilungen des Neufundländer-Klub für den Kontinent“ (1909), danach „Mitteilungen des Neufundländer-Klub für den Kontinent“. Sie werden im „Sportblatt für Züchter und Liebhaber von Rassehunden“ abgedruckt. Erst 1924 wird eine eigene Klubzeitschrift gegründet: „Neufundländerklub für den Kontinent. Mitteilungen“. Diese enthalten alle für den Klub relevanten Mitteilungen, wie Protokoll der Hauptversammlung (incl. anwesende Mitglieder), Richterberichte über Ausstellungen, Nachrufe, Nachrichten des Vorstandes, Deckanzeigen, Beantragung von Zwingerschutz, Ausstellungskalender.

In den Jahren 1928 – 1936 hatte der Klub insgesamt 308 Züchter und es fielen pro Jahr rund 400 Welpen. Interessant dabei ist, dass nach der Satzung nur 6 Welpen eines Wurfes, darunter 2 Weibchen, eingetragen werden können.

Hatten in den ersten Jahrzehnten des Neufundländer Klubs für den Kontinent die Rassehundeklubs Zucht und Ausstellungen eigenständig nach den Regeln des Kartells und des FCI verwaltet, so änderte sich 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten alles.  Das „Deutsche Kartell für das Hundewesen (DKH)“ wird am 1. Oktober 1933 durch den „Reichsverband für das Deutsche Hundewesen (RDH)“ ersetzt. Der Führer dieses Reichsverbandes wird Hans Glockner, der 1934 auch zum Präsidenten der Weltorganisation FCI gewählt wird. Das gesamte deutsche Hundewesen ist damit vereinigt. Durch die Neuorganisation werden die Ausstellungsbestimmungen für ganz Deutschland verbindlich.

Natürlich waren die Neufundländerfreunde auch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren nicht inaktiv und es wurden in den Jahre 1943 – 1947 insgesamt 440 Würfe mit 2040 Neufundländer- und Landseer-Welpen registriert.

Nach der Beendigung des 2. Weltkrieges durften nach Vorgaben der Alliierten in Deutschland offiziell keine Vereine mehr existieren und erst 1949 gründete sich der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) neu.

1930 Frau KRUPP von BOHLEN und HALBACH mit Hunden aus ihrem Zwinger „vom Hügel“
Herr Otto Walterspiel

Anlässlich der großen Nachkriegsausstellung 1948 in München unterbreitete Herr Otto WALTERSPIEL dem alten Vorsitzenden, Herrn Friedrich HAIST, den Vorschlag zur Neugründung eines Neufundländer-Klubs. Dieser sollte den Namen „Deutscher Neufundländer-Klub (ehemaliger Neufundländer-Klub für den Kontinent)“ erhalten. Der Anregung wurde voller Freude gefolgt. So fand am 11. September 1948 bereits die Gründungsversammlung des neuen Klubs in München statt. An dieser Versammlung nahmen laut Anwesenheitsliste 67 Neufundländerfreunde teil.

Ab 1951 gründeten sich im DNK auch die ersten Landesgruppen und die Mitgliederzahlen des neuen Vereins lag bei 287. Interessant dabei ist, dass damals die Landesgruppenleiter nicht von den Mitgliedern gewählt, sondern vom Vorstand eingesetzt wurden.

Erst nach der Neugründung des Klubs im Jahre 1948 ist das Klubleben besser dokumentiert. Zuerst in der Zeitschrift „Unser Rassehund“ und schließlich ab 1988 in der Klubzeitschrift „Unser Bär – der Neufundländer“.

 

Quelle: „Geschichte des Deutschen Neufundländer-Klub e.V.“ (Verfasserin Frau Dr. Renate Hahn), erhältlich bei der Geschäftsstelle